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Sonntag, 5. Juli 2020

Es hätte ja sein können, dass heute im Gottesdienst - falls es denn in diesen Zeiten mal wieder einen gibt - der Pfarrer oder die Pfarrerin den für heute vorgesehenen Predigttext verliest. Aus dem Paulusbrief an die Römer im 12. Kapitel:

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“


Ach ja, lieber Paulus. Schön gesagt.
So einfach soll das sein, soll das gehen?
Wenn mir einer quer kommt, mich beleidigt, betrügt, bedroht, beklaut, misshandelt und werweißwas noch, dann nehme ich das hin?
Ja, was? Bitte, geht’s noch?
Dann soll ich, so verletzt wie ich dann bin, auf Gutes bedacht sein?
In meinem Zorn, meiner Empörung, bei meinem Stolz, meinem Schmerz?!

Schwierig, schwierig! Mein Einspruch will gehört sein.
Beim gerechten Gott! Der soll auf doch wohl auf meiner Seite sein und uns klein Gemachte wieder groß sein lassen.
Das ist doch wohl das Mindeste!

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“


Ja, lieber Paulus, das hört sich gut an.
Aber geht das überhaupt?
Und wenn alle so handeln würden – und könnten – dann
wär das schon…, also, was soll man dazu sagen…?
Ja. Ein bisschen Himmel auf Erden?
Ach was, jetzt werde ich schon etwas sentimental.
Geht das denn? Gibt’s das denn?

Ungerechtigkeiten, Unterdrückung, Ausgrenzung, Gewalt!
Und ich sei auf Gutes bedacht?
Was verlangst du von mir? Wer bin ich, der sich so oft klein gemacht fühlt?

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“


Ja, danke! Ich höre dich ja.
Und wenn ich dann doch mal hinter aller Empörung so nachdenke, dann hört sich das ja eigentlich nicht schlecht an:
Stimmt schon. Wenn immer nur drauf gehauen und zurückgeschlagen wird, gibt’s kein Frieden.
Dann geht’s immer weiter und den Bach runter.
Richtung Hölle.

Und wir wollen doch den Himmel. Ja, doch! Irgendwie.
Paulus, hilf!

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“


Ja, vielleicht verstehe ich jetzt was.
Lieber Paulus, der Plan ist ja eigentlich wirklich gut.
Es klingt so einfach.
Aber können wir Menschen das? Das, was so einfach klingt, aber so schwer zu machen ist?
Du sagst: Ja, mit Gottes Hilfe.
Gott, der wahrhaftig Größe lebt und zeigt - als er klein gemacht wurde.
Das ist also der Weg?!
Aha! Ach so!

Gott, gib uns Mut und Kraft, Fantasie und deinen Segen dazu.

Es grüßt Sie
Ihre Ev. Kirchengemeinde Klein-Gerau und
Volkmar Hahn








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